Basel – Radfahren. Vielfalt. Leben.

Jetzt noch mal ein bisschen unter die Leute gehen, vielleicht einen happen Essen? Wir gingen dazu in die Basler Markthalle. Einer der größten Kuppelbauten der Welt – bis 2004 dem Marktbetrieb vorbehalten – wurde in Basel zeitgemäß zu einem städtischen Zentrum des Lebens gemacht. Eine internationale Vielfalt von appetitanregenden Essensständen, einige ganz besondere Kneipen und Cafes, sowie ein Naturkost Laden und viel Raum für kulturelle Veranstaltungen locken hier täglich Menschen zum Verweilen an. Zwischendrin stehen Tische und Bänke für Jedermann – zum Beispiel, zum geselligen Genuss der Köstlichkeiten, die sich jeder nach seinen Vorlieben von den Ständen holt. Und: Das Konzept geht auf! Hier tobt das Leben. Hier treffen sich verschiedenste Menschen jeden Alters. Hier findet Kultur statt. So konnten wir am Samstag Abend zum Beispiel neben Leckereien – wir hatten Persisch, Chinesisch und Indisch am Tisch – auch noch so manche Dachbodenschätze auf dem “Retro-Flohmarkt” von 18-23 Uhr bewundern.

In Basel besuchte ich einen alten Freund, der kürzlich dort hingezogen ist. Keine schlechte Wahl für einen Wohnort, scheint mir, denn schon lange vor dem Besuch der Markthalle, hat mich Basel begeistert. Steigt man in Basel aus der Bahn fällt einem leidenschaftlichen Radfahrer wie mir noch vor Verlassen des Bahnhofs ein großes Hinweisschild auf. Es zeigt ein Fahrrad und weist auf die “VeloStation” direkt im Keller des Hauptbahnhofs hin. An einem Rund um die Uhr besetzten Schalter werden einem die Möglichkeiten erklärt, die sich hier bieten: Für einen Franken pro Tag kann man hier sein Fahrrad sicher hinter Zaun und Drehtoren in großzügigen und Rahmenschonenden Fahrradständern abstellen. Vor der Ausfahrt steht natürlich gleich eine Reifendruck-Station zu Verfügung. Kein eigenes Rad dabei? Kein Problem, von Mountainbike in allen Größen bis E-Bike kann man hier zu vernünftigen Tagesmieten ein Leihrad haben. Mit einem der Mountainbike habe ich mit meinem langjährigen schweizer Freund eine herrliche Runde über die Hügel der Umgebung gemacht. Auf dem Weg aus der Stadt heraus geht das Staunen eines deutschen Klein-Großstädters (der bis vor ein paar Jahren noch dachte, Erlangen sei eine vorbildliche Fahrradstadt) weiter. Der Radweg beginnt direkt im Keller, führt über eine Rampe hoch auf den Bahnhofsplatz und danach direkt in die mehrere Hundert Meter lange “Postpassage” – unter Dach, ein reiner Radweg für zwei Richtungen. Keine Autos, keine Fußgänger. Und so geht das dann weiter – der Radweg ist meist wirklich separat von den Autos geführt. Kleine Nebenstraßen wurden für den Radweg von Autos befreit und explizit als Radweg ausgewiesen. Die Wegführung ist dennoch gerade genug, dass man auch als sportlicher Berufspendler wirklich schnell durchfahren kann. Ja, es geht also. Mir scheint Radfahrer haben hier eine starke Stimme. Ich denke, das ist gut für die Menschen einer Stadt. Denn Radfahrer bringen höchstens menschliche Abgase in die Stadt – sie bringen Leben in die Straßen – keinen Feinstaub, keinen Lärm, keine Lebensgefahr.

Der Kaffee und der “Crazy Nuts” Kuchen in der “Mitte” sind sensationell. In diesem Café fühle ich mich mal wieder so richtig mittendrin in guter Gesellschaft. Und wie ich nachher erfahre: Es ist auch ein Unternehmen von ganz besonderen Menschen. Die Macher der Mitte (www.mitte.ch) setzen sich seit 1990 für das bedingungslose Grundeinkommen (www.grundeinkommen.ch) ein und scheinen entsprechend auch das Café (auch Hotel und kultureller Veranstaltungsort) sehr werteorientiert zu führen.

Ich bin fasziniert. Basel hat mit 171000, auch nur nicht mal doppelt so viele Einwohner, wie meine Heimatstadt Erlangen. Dennoch fühle ich mich hier ob der tollen Fahrradinfrastruktur, der kulturellen Angebote und der gesellschaftlichen Lebensmittelpunkte wie in einer echten und vor allem modernen Großstadt.

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