SySt Lernreise – Woche 2 – Transverbale Sprache

Die zweite Woche meiner Lernreise zu Systemischen Strukturaufstellungen will ich auch wieder mit einer Zusammenstellung meiner Lernerfahrungen begleiten. Basis ist der zweite Teil der ersten SySt DVD.

Transverbale Sprache – Insa Sparrer erklärt, wie die SySt Arbeit als Sprache dargestellt werden kann. Diese Sprache beinhaltet verbale und nonverbale Sprache. Und jetzt wird es interessant: Sie beinhaltet auch alles, was zwischen den Gesprächsteilnehmern passiert. Dazu gehört das Gefühl, das beispielsweise durch den Abstand zwischen zwei Menschen entsteht – nah oder fern / zugewandt oder abgewandt stehen macht einen Unterschied.

Die Sprache wird definiert durch die Gruppe, die sie spricht – also durch die Summe der Beziehungen in der beteiligten Gruppe.

Jetzt kommen wir zu einem der wesentlichen Geheimnisse der Strukturaufstellungen: Oft ist es Menschen möglich in der hier beschriebenen transverbalen Sprache darzustellen, was sie in der verbalen und nonverbalen Sprache nicht ausdrücken könnten. Die Aufstellung bietet also dem Klienten eine zusätzliche Komponente, welche Erkenntnisse bringen kann. Eben durch die Aufstellung von Representanten im Raum und deren Reaktion auf die entstehenden Beziehungen können Erkenntnisse entstehen.

Guter Satz von Insa Sparrer: “Jede Frage kann die letzte sein, die wir stellen müssen”. Denn zu jedem Moment kann der Klient die für ihn notwendigen Erkenntnisse gewonnen haben. Beispielsweise ist es nicht zwingend notwendig, von der transverbalen Sprache wieder in die verbale Sprache zu übersetzen.

Strukturaufstellung: Ein Klient wird von einem Aufstellungsexperten dabei unterstützt eine zu klärende Situation durch Representanten (Menschen) in einem Raum darzustellen. Die KlientIn bestimmt, wo und wie die Representanten (die meist nicht wissen, wen oder was sie representieren) sich im Raum aufstellen sollen. Representanten geben nun ihre Empfindungen preis, welche durch diese Aufstellung bei ihnen geweckt wird. Eine Intervention kann sein, dass die KlientIn die Aufstellung einzelner Representanten verändert (Ausrichtung, Positionierung im Raum). So kann die KlientIn mit der Situation experimentieren, was in der echten Situation eben nicht möglich wäre. Dadurch entsteht der Mehrwert einer Aufstellung.

Anmerkung: Ich versuche hier nach jetzigem Kenntnisstand kurz zu beschreiben, was eine StrukturAufstellung eigentlich ist. Dies ist nicht Inhalt der DVDs, daher hier meine persönliche Ergänzung.

Zurück zum Bild SySt als Sprache: Eine Frage ist in der Strukturaufstellung eine Intervention (beispielsweise die Veränderung der Positionierung der einzelnen Representanten). Die Antwort zeigt sich in den “Unterschiedsempfindungen” der Representanten. Dazu muss kein Wort gesprochen werden, sofern die Empfindungen nonverbal sichtbar werden.

Nachprüfungen, ob die Antwort der Representanten nützlich für die/den KlientIn sind, werden verbal oder nonverbal ab; “bin ich im richtigen Film?”. Wesentlich hierbei ist: Ob die Antwort/reaktion der eigenen RepresentantIn nützlich/passend/hilfreich für die KlientIn ist. Denn: Über andere Personen können wir uns irren und die Aufstellung kann überraschende (scheinbar unpassende) Reaktionen zeigen. Passt aber die Reaktion der eigenen RepresentantIn nicht – so ist die Aufstellung sehr wahrscheinlicht nicht hilfreich für die KlientIn und sollte abgebrochen, oder verändert werden.

Die Antwort (Reaktionen) der Representanten auf eine Intervention kann mit folgenden typischen Fragen abgefragt werden:

  • Was ist anders, seit Du representierst?
  • Ist es eher besser/schlechter/gleich/anders? Hierbei gehen wir bewusst meist garnicht in das Inhaltliche (was ist anders), da es hierbei zu viele Irrtumsmöglichkeiten gäbe, weil “eigenes” der Representanten mit dem aufgestellten Fall vermischt würde.

Diese Fragen stehen für ein “unterschiedsbasiertes Arbeiten”.

Soweit der Inhalt dieser zweiten Woche auf dieser Lernreise.

Reflexion: Die hier gesehende Herangehensweise, eine Aufstellung als Werkzeug zur Erweiterung des Denkrahmens für mich, oder andere Menschen nutzbar zu machen lässt mich aufatmen. Wesentlich dabei ist, der Respekt vor der “KlientIn” und ihrer Einschätzung über “richtiger Film oder nicht”, da der Aufstellungsleitende damit eine Ehrfürchtige und bescheidene Position einnimmt “Ich maße mir nicht an zu wissen, was für die KlientIn eine wertvolle Erkenntnis ist” – DAS ist der Kern, der meiner Ansicht nach jegliches Coaching erst wirksam, nützlich und angenehm zugleich macht. Auch wird die Lösungsorientierung durch diese Einstellung enorm beflügelt.

Und im Alltag? Kann ich diese Bescheidenheit nicht auch in zahllosen Situationen des Alltags zum Gewinn aller beteiligten Mitmenschen einsetzen? Mir scheint, dass es für mich viel zu oft unreflektiert geblieben ist, ob die Wirkung meiner “Interventionen” (Kommentare, Reaktionen, usw. gegenüber Mitmenschen) nützlich für sie sind. An der Bescheidenheit, zu wissen, dass ich es nicht weiß werde ich arbeiten und bin überzeugt damit ein Stück hin zu einer lösungsorientierteren Geisteshaltung zu machen.

Bis nächste Woche – Euer Benedikt Pape

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